Das war vielleicht ein Tag heute. Zunächst die Bekanntgabe des Verkaufsstarts des Apple iPad / iPad 3G in Deutschland, dann die falschen Preise des iPad und schließlich gegen 21 Uhr die offizielle Pressemitteilung von Apple Deutschland, die die Sache richtig stellte. Leider waren die meisten unter uns über die neuen Preise des iPad in Deutschland nicht wirklich erfreut, lag der Einstiegspreis nun doch nicht mehr bei wie zunächst vermutet 479 Euro sondern bei 514 Euro.
Da mir oft vorgeworfen wird, dass ich zu sehr auf der Seite von Apple stehe, möchte ich in diesem Kommentar versuchen, eine neutrale Position einzunehmen. Fangen wir also an: zunächst ist nun faktisch sicher, dass das billigste iPad in Deutschland 514 Euro kosten wird, das teuerste 814 Euro. Daran ändert keine Diskussion und keine Beschwerde der Welt mehr etwas. Interessant finde ich persönlich jedoch zu beobachten, wie unterschiedlich die Leute doch reagieren.
Da gibt es Menschen, die über Apple und den Preis des iPad schimpfen und zu Protokoll geben, dass ihre persönliche Obergrenze bei 300 Euro oder 400 Euro liegen würde. Hierzu kann ich leider nur sagen: ihr müsst wohl allgemein auf ein Tablet verzichten. Bedenkt man, dass allein schon ein iPod Touch mit 64 GB 369 Euro kostet, kann man einen Wunschpreis des iPad von unter 400 Euro einfach nur als an der Realität vorbei gezielt betrachten.
Bei Wunschpreisen zwischen 400 Euro und 500 Euro kommen wir der Realität schon viel näher. Ich finde, dass Apple die heute Mittag kursierenden Preise für das iPad hätte ansetzen sollen. Ein Einstiegspreis von 479 Euro für das iPad WiFi 16 GB wäre vollkommen legitim und der Sache angemessen gewesen. Die Angewohnheit mancher Menschen, mit den Preisen des iPad in den USA zu argumentieren läuft leider auch ins Leere. Hier wird allzu oft vergessen, dass ein Produkt einen gewissen Nettopreis hat, zu dem dann Einfuhrzölle, Steuern und weitere Gebühren hinzukommen. Halten wir also fest: 479 Euro für das iPad wäre subjektiv betrachtet kein Schnäppchen gewesen, jedoch objektiv betrachtet ein angemessener Preis. Dies hat auch die Reaktion zahlreicher meiner Follower bei Twitter gezeigt, wie beispielsweise von @gr4y der meinte, dass 479 Euro OK gewesen wären.
Nun hatte man sich in Deutschland bereits mit diesen Preisen angefreundet, als plötzlich die Schreckens- Pressemeldung von Apple kam: der Preis für das Einstiegsmodell des iPad liegt in Deutschland bei 514 Euro. In diesem Moment sind mir genau zwei Gedanken durch den Kopf gegangen: 1. warum wählt Apple einen so ungewöhnlichen Preis wie 514 Euro und 2. warum wählt Apple einen Einstiegspreis in Deutschland der über 500 Euro liegt.
Zu Punkt 2 hat @ol_sen genau das gesagt, was auch mein Kommentar dazu wäre: bei einem Preis von 514 Euro ist eine psychologische Grenze überschritten. Sehen wir es doch mal so: welche Rolle spielen bei einem Preis um die 500 Euro schon 30 Euro? Eigentlich keine, aber wenn anstatt einer 4 eine 5 vor dem Preis steht, dann schaltet das Gehirn auf Alarm. Und genau das ist passiert, denn während heute Mittag die Reaktionen auf die “alten” Preise des iPad noch moderat waren, hieß es heute Abend durchweg: “Apple spinnt, kauf das iPad nicht” etc.. Und diese Reaktion kam oft von Menschen, die das iPad kaufen wollten (und dies wohl dennoch tun werden), wie sieht es erst bei den Leuten aus, die die Geschichte nicht die ganze Zeit im Netz mitverfolgen und weniger technisch affin sind? Für 500 Euro gibts bereits Notebooks, warum also ein Tablet kaufen?
Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass Apple mit der Preispolitik in Sachen iPad einen Fehler begangen hat – auch wenn es nur wenige Euro sind, aber die entscheiden. Trotzdem denke ich, dass sich das iPad verkaufen wird. Warum? Nunja, mal ehrlich: jeder von euch, der sich vorgenommen hat ein iPad zu kaufen, wird es auch tun, egal ob für 479 Euro oder 514 Euro. Jeder der Apple und den Hype rund um das iPad nicht mag, fühlt sich nun dazu berufen sich über den Preis auszulassen – diese Gruppe von Menschen hätte das iPad aber auch für 400 Euro nicht gekauft. Dann gibt es noch die Leute die Apple Produkte wegen ihrem Trendfaktor kaufen, und das sind viele, glaubt mir. Wenn ich sehe, dass ein iPhone 3GS beim 3Gstore noch heute zwischen 600 Euro und 800 Euro kostet und tatsächlich noch gekauft wird, dann scheut auch keiner vor 500 Euro für das iPad zurück.
In diesem Sinne: das Apple iPad ist teuer, aber das waren iPod und iPhone auch – trotzdem zählen diese Geräte zu den erfolgreichsten überhaupt im jeweiligen Marktsegment. Die Marke Apple hat auf die Menschen eine gewisse Wirkung und die geht über Geld hinaus. Ob man dies nun gut heißt oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Update: @baranek hat mich auf folgenden Ausschnitt aus der Zeit hingewiesen, der für einige von euch bestimmt ganz interessant ist:
In den USA kostet das selbe Modell 499 Dollar (392 Euro, ohne Mehrwertsteuer). Der Nettopreis ohne Mehrwertsteuer in Deutschland liegt bei 431 Euro – und damit 40 Euro über dem Preisniveau auf der anderen Seite des Atlantiks. In Deutschland steckt allerdings auch noch eine Urheberrechtsabgabe in Höhe von rund 15 Euro in dem Verkaufspreis.
Update 2: wie fscklog.com berichtet, hat auch Steve Jobs einen Kommentar zu den hohen iPad Preisen in Deutschland abgegeben: “Blame your government. Germany just added a new copyright levy for computers”
