Parrot AR.Drone im Test: ein teures Spielzeug mit schwachem Akku aber hohem Spaßfaktor

Juni 19th, 2012 | Posted by Frank Feil in Hardware | Testberichte
  

Modellflugzeuge faszinieren wohl die meisten von uns, da sie aber in der Regel teuer und vor allem schwer zu bedienen sind, lassen wir am Ende doch die Finger davon. Momentan liegen so genannte Quadrocopter, gemeinhin auch als Drohnen bezeichnet, voll im Trend. Das Beste dabei: einige davon lassen sich sogar ganz bequem mit dem iPad, iPhone oder Android-Smartphone steuern, wie beispielsweise die Parrot AR.Drone.

Einige von euch werden sich sicherlich fragen, warum ich jetzt noch einen Testbericht zur Parrot AR.Drone veröffentliche, die nun auch schon einige Monate alt und deren Nachfolger bereits verfügbar ist. Ganz einfach: ich fand das Thema spannend und Review-Exemplare der Parrot AR.Drone 2.0 waren schlichtweg noch nicht verfügbar. An dieser Stelle auch einen herzlichen Dank an getgoods.de, die mir die Drohne für diesen Test bereitgestellt haben.

Nachdem ich bislang noch nirgends die Gelegenheit dazu hatte, einen Quadrocopter selbst zu fliegen, war ich umso gespannter, als die Parrot Ar.Drone endlich bei mir eintraf. Prinzipiell besteht die Drohne aus drei Elementen: dem Hauptteil mit Motor und Rotoren, sowie einem Outdoor- und einem Indoor-Rumpf. Auf dem Bild oben seht ihr die Indoor-Version, die verhindern soll, dass die Drohne irgendwo aneckt und die Wohnung demoliert, nachfolgend die Outdoor-Variante, die in erster Linie die Widerstandsfähigkeit gegen Windböen erhöhen soll.

Die Einrichtung der Parrot Ar.Drone ist denkbar einfach: Akku einlegen, App für das iPad / iPhone / Android-Smartphone herunterladen, via WiFi verbinden, losfliegen. Die Steuerung ist intuitiv und einfach, zudem lassen sich zusätzliche Parameter, wie etwa die maximale Flughöhe, konfigurieren. Ein weiteres Highlight ist natürlich die Kamera, die Live-Aufnahmen direkt aufs iPhone sendet. Ganz ehrlich: der Spaßfaktor der Parrot Ar.Drone ist extrem hoch und wenn man einmal in der Luft schwebt, möchte man gar nicht mehr landen. Aber wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten.

Zunächst muss man sich vor Augen führen, dass wir hier von einem Spielzeug Gerät sprechen, das rund 300 Euro kostet (inzwischen weniger, da der Nachfolger bereits erhältlich ist). Das erste Problem betrifft die Indoor-Flüge. Man bekommt zwar den Indoor-Rumpf mitgeliefert, der verhindert, dass irgendwas zu Bruch geht, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Drohne einen so starken Wind erzeugt, dass alles durch die Gegend wirbelt. Davon abgesehen sind die Flugwege auch viel zu kurz für wirklich anspruchsvolle Manöver – es sei denn man besitzt eine Villa mit 500 qm.

Also ab nach draußen, die Outdoor-Variante testen. Wie ihr oben gesehen habt, sind die Rotoren nun ungeschützt, was uns zum zweiten Problem bringt. Es ist illusorisch zu glauben, dass die Drohne immer genau das macht, was man will – gerade wenn man mit der Steuerung noch nicht richtig vertraut ist. Das führt dazu, dass Begegnungen mit Bäumen oder anderen Objekten am Anfang an der Tagesordnung liegen. Die Parrot Ar.Drone ist zwar so konzipiert, dass sie extrem robust ist, aber ich muss euch sicherlich nicht erzählen, wie es sich anfühlt, wenn die 300 Euro teure Drohne gegen einen Laternenpfosten knallt und zu Boden geht. Und dann wäre da noch der Wind. Je höher ihr fliegt (theoretisch sind bis zu 50 Meter möglich), desto unberechenbarer wird dieser. Eine kleine Bö reicht dann aus und die Drohne landet im Baum oder in Nachbars Garten. Würde man einen passenden Untertitel für die Parrot Ar.Drone suchen, wäre dieser wohl “Die Angst fliegt mit”.

Nun kann man argumentieren, dass das alles Übungssache ist. Das ist auch richtig. Man kann lernen die Drohne bei Wind präzise zu steuern und auch die Begegnungen mit den Laternenpfosten werden nach und nach weniger. Ein Problem bleibt allerdings bestehen und genau dieses führt auch dazu, dass ich in der Überschrift die Bezeichnung Spielzeug gewählt habe: die Akkulaufzeit. Sage und schreibe 10 Minuten fliegt die Drohne mit einer Akkuladung, danach muss der Akku wieder 1,5 Stunden aufgeladen werden. 10 Minuten! Man kann live mitverfolgen, wie die Akkuanzeige von 100 Prozent auf 15 Prozent runtergeht und die Ar.Drone bald darauf von selbst landet. Somit lohnt es sich noch nicht einmal den Weg auf ein freies Feld anzutreten, auf dem man dann tatsächlich experimentieren könnte, ohne Angst vor Kollisionen haben zu müssen. Selbstverständlich kann man zusätzliche Akkus kaufen (für knapp 26 € pro Stück) und so die Flugzeug erhöhen, aber will man, nachdem man 300 Euro ausgegeben hat, tatsächlich alle 10 Minuten landen müssen, um den Akku zu wechseln?

Wie gesagt, der Spaßfaktor der Parrot Ar.Drone ist sehr hoch, gerade weil sie auch durch die verschiedenen Parameter sehr viele Möglichkeiten bietet. Solange die Flugzeit aber bei 10 Minuten liegt, ist und bleibt sie ein teures Spielzeug.

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